Drei Tage im Jahr sitzt der Durchschnittsmensch mit Handy auf dem Klo. Flush & Rush macht aus jeder Sitzung ein Rennen gegen die eigene Tagesbestzeit – und hat meinen Median von 1:30 auf 1:08 Minuten gesenkt.
Das kam dabei heraus
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Median pro Sitzung von 1:30 auf 1:08 Minuten gesenkt (−24 %)
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Ein Kontaktsensor für 7,99 € und ein ausgemustertes Android-Handy – keine Kamera, keine App
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Open Source als Home-Assistant-Add-on, alle Daten bleiben lokal
Drei Tage. So lange sitzt der durchschnittliche Mensch pro Jahr auf dem Klo – wenn er sein Handy mitnimmt. Das Tückische daran: Jede einzelne Sitzung fühlt sich kurz an, erst hochgerechnet wird daraus ein verlängertes Wochenende. Statt mir das Scrollen abzugewöhnen, habe ich mein Klo in ein Rennspiel verwandelt: Ein Sensor am Deckel misst jede Sitzung, ein altes Handy an der Wand zeigt live, ob ich gerade schneller bin als sonst. Das Ergebnis? Mein Median pro Sitzung ist von 1:30 auf 1:08 Minuten gefallen.
Die Herausforderung
Messen war der leichte Teil. Ein Kontaktsensor am Deckel, in Home Assistant eingebunden, ein Balkendiagramm im Dashboard – nach ein paar Minuten waren die Daten da. Zwei Tage habe ich draufgeschaut, danach nie wieder.
Der eigentliche Engpass
Eine Zahl, die man im Nachhinein irgendwo nachschlagen kann, ändert selten etwas. Sie braucht einen Anreiz – und muss genau dann sichtbar sein, wenn man sitzt.
Dazu kam eine harte Bedingung: nichts, was man antippen muss. Jeder Klick vor dem Hinsetzen ist ein Grund, es nach drei Tagen nicht mehr zu benutzen.
Die Lösung
Die Idee kommt aus Mario Kart: Dort fährst du gegen den Geist deiner letzten Runde, nicht gegen den Computer. Genau so funktioniert Flush & Rush – als Home-Assistant-Add-on, das sich direkt installieren lässt.
Der Sensor
Deckel hoch heißt: Sitzung beginnt. Deckel runter heißt: Sitzung vorbei. Keine Kamera, keine Eingabe. Welcher Sensor genutzt wird, legst du in den Einstellungen des Add-ons fest.
Das Rennen
Das Add-on rechnet für jeden Tag die schnellste Sitzung, die langsamste und den Median aus – den Median, weil er anders als der Durchschnitt kaum auf Ausreißer reagiert. Der Timer ist grün, solange du schneller bist als üblich, gelb im Mittelfeld und rot, sobald du länger sitzt als bei deiner schlechtesten Sitzung des Tages. Um Mitternacht startet ein neues Rennen.
Die Anzeige
Die Live-Ansicht ist eine kleine Website im Heimnetz – keine App, kein Store, kein Account. Ein ausgemustertes Android-Handy ruft sie im Kiosk-Modus auf: kein Standby, keine Benachrichtigungen, nur diese eine Seite. Gehalten wird es von einer selbst modellierten, 3D-gedruckten Halterung mit Aussparung für das USB-C-Kabel.
Das Dashboard
In Home Assistant liegt jede Sitzung, dazu die häufigsten Uhrzeiten, die Entwicklung über die Wochen und die Gesamtzeit. Fehlmessungen – etwa wenn der Deckel beim Putzen eine halbe Stunde offen steht – lassen sich einzeln löschen.
Die Ergebnisse
Ich habe zwei Wochen ohne Display gemessen und zwei Wochen mit Display an der Wand. Der Median pro Sitzung fiel von 1:30 auf 1:08 Minuten – 22 Sekunden oder 24 % weniger pro Sitzung. Nicht dramatisch, aber messbar. Der Grund ist simpel: In der Sekunde, in der der Timer von Grün auf Gelb springt, will man nicht verlieren.
Zur Ehrlichkeit gehört: Das sind vier Wochen Daten von einer Person. Und ein Problem ist noch offen. Der Sensor weiß nicht, wer gerade sitzt, nur dass jemand sitzt. In der WG oder Familie tritt man deshalb gegen den ganzen Haushalt an – eine automatische Unterscheidung ohne zusätzlichen Handgriff steht noch aus.
1:08 min
Median pro Sitzung mit Display
−24 %
Zeit pro Sitzung
7,99 €
für den Sensor
Nachbauen
Flush & Rush ist Open Source und läuft auf jeder Home-Assistant-Installation mit Add-on-Unterstützung. Das brauchst du:
- Home Assistant OS oder Supervised (64 Bit)
- Einen Kontaktsensor, zum Beispiel den IKEA MYGGBETT für 7,99 €. Er funkt über Matter over Thread, braucht also einen Thread Border Router, und läuft mit einem AAA-Akku.
- Optional für die Live-Anzeige: ein altes Handy oder Tablet mit Browser und einer Kiosk-App. Aufgerufen wird die Adresse deines Home Assistant unter dem Port aus den Einstellungen.
- Optional: die zweiteilige Halterung zum Selbstdrucken (passend für das Google Pixel 4a) und ein USB-C-Kabel für Dauerstrom.
Installation und Konfiguration stehen im GitHub-Repository.
Bereit für den nächsten Schritt?
Flush & Rush ist eine Spielerei. Das Prinzip dahinter nicht: Daten, die ohnehin anfallen, genau dort sichtbar machen, wo eine Entscheidung fällt – ohne dass jemand etwas eintippen muss. So gehe ich auch bei Unternehmen und Solo-Selbstständigen vor, nur geht es dann um echte Prozesse statt um Klodeckel. Wenn in deinem Alltag etwas steckt, das jeden Tag ein paar Minuten frisst, lass uns darüber sprechen – als digitaler Partner, der mitdenkt.
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